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Weltmeisterschaft in Singapur 2004

Weltmeisterschaft in Singapur 2004
 
Der Freitag den 10.12.2004 steht unter dem Stern des Abfluges. Ich bin sehr Nervös und habe schlecht geschlafen. Im Flugzeug ist alles weg und ich gebe mich dem Schicksal hin. Ich muss natürlich schreiben, dass dies meine weiteste Reise überhaupt ist. Der Flug war im grossen und ganzen sehr angenehm, wenn man vom Kindergeschrei absieht. Wie kann man als Eltern diese Fliegerei den Kindern antun?

Am Samstag in Singapur angekommen, wurden wir von einer sehr hübschen jungen Dame, Reneé und einem jungen Herrn Hosni abgeholt. Beim verlassen empfing uns eine unwahrscheinliche feucht Wärme, in Zürich ist es gerade –1°C und hier 31°C . Mit dem Buss fahren wir in unser Hotel. Auf der Fahrt beobachte ich die Umgebung, alles hohe neuere Gebäude, die breite Strasse ist eingesäumt mit Palmen. Der Linksverkehr ist ein Novum für mich. Bin auch ein ausgeprägtes Europa-Ei ohne Erfahrung mit England. Im Hotel angekommen wurde uns mitgeteilt, dass wir erst um 14.00 Uhr einchecken können. Nun heisst es 5 Stunden totschlagen. Wie ich es habe, schnappe ich mir Haka mit seinem Rollstuhl und ab zu Fuss auf Entdeckungsreise. Ich habe ein Flair in Gegenden zu gehen in die eigentlich kein Tourist als erstes gehen würde. Wir landeten direkt im Inderviertel. In diesem Viertel konnte man für ein Trinkgeld essen und trinken. Die Blicke der einheimischen Menschen musste man halt ignorieren.

Nach dem lang ersehnten einchecken konnten wir das Zimmer beziehen und trafen dann auch Christian, Sabine und Marianne die bereits geraume Zeit hier respektive Kuala-Lumpur und Umgebung unsicher gemacht haben. In Begleitung des CH-National-Teams wagten wir uns nochmals in das Inderviertel. Auf dem Weg trafen wir auch der Rest unseres Teams aus Genf.
Am späteren Abend trafen dann unser Team-Chef Ralph mit Karin und Dominique ein. Die ersten Instruktionen wurden weitergegeben. Das beinahe komplette CH-Team ging nun zum Nachtessen hinüber.

Der 12.12.2004 beginnt mit einem tüchtigen verschlafen, die Zeitverschiebung lässt grüssen.
Der Sonntag findet als erstes die Abwage statt. Die offizielle Eröffnung wird am Abend abgehalten mit den obligaten Ansprachen und Geschenk-Verteilungen, Fotos der verschiedenen Verbandspräsidenten und anderen Beweihräucherungen. Nach dem langen offiziellen Teil startet die WM 2004 mit zwei Kämpfen.

Am Montag, nach einem tüchtigen Frühstück und einem gleich darauf folgenden Mittagessen geht die WM richtig los. Das Schweizer Team war am ersten Tag mit Franco Saracino (AL HAQ), Ralph Irminger (HT) und Sabine Schmutz (HT) im Rennen.
Bei Franco konnte man die Fortschritte die sein Training beim Singapurer-Team sehr gut sehen doch sein Gegner aus Vietnam war doch um einiges besser. Bei Ralph hatte sein Gegner aus Thailand keine Chance. Bei einem grossen Punktevorsprung musste er mit einem gebrochenen linken Arm aufgeben. Ein sehr trauriger Moment. Das ganze Team stürzte zum Präsi um Ihn zu trösten. Im laufe des Tages sind immer wieder Kämpfe zu beobachten die weit von Silat entfernt waren. Ein türkischer Teilnehmer in der offenen Klasse setzte wohl das Sahnehäubchen auf. Er randalierte nach seiner miserablen Vorstellung herum und musste abgeführt werden. Bei Sabine lief es so wie Sie es wollte, eine Gegnerin die Sie nicht kannte. Doch die Gegnerin kam aus Indonesien, eine sehr grosse Herausforderung für Sie. Sie überstand sehr mutig die 3 Runden, im laufe des Kampfes musste Sie zwar den ausgekugelten Arm wieder selber einrenken. Lächelnd verlor Sie die Begegnung und holte Sich den Respekt der gegnerischen Mannschaft.

Am Dienstag musste nach einer kurzen Nacht die Busfahrt ins Stadion aufgenommen werden.
Leo Weissenbach von AlHaq/Genf bestritt als einziger den kurzen Tag. Auch an diesem Tag zeigten einige Teilnehmer spannende Kämpfe. Dieser Tag endete bereits um 17.30 Uhr als Kampftag.
Der Abend war eine Unterhaltung mit Nachtessen für die ganze Teilnehmerschaft angesagt.
Die Veranstalter hatten das Jubiläumsturnier der Schweizer beigewohnt und hatten die hohe Latte der Ansprüche zu knacken. Der Abend wurde im Sheraton Hotel abgehalten mit einer typischen Musik und Gesangsgruppe aus Singapur. Das köstliche Abendessen, das sehr üppig ausfiel, mundete vorzüglich.

Mittwoch die Kämpfe am Mittwoch waren nicht minder spannend wie die in den Vortagen. Die Europäer werden immer seltener im Ring. Christian Rechsteiner ist der erste der an diesem Tag die Schweizer National-Mannschaft vertreten musste. Sein Gegner ist ein Kämpfer aus Singapur. Christian gab alles was er konnte und seine Nervosität bleib uns nicht verborgen. Dieser Kampf entschied eigentlich der Ringrichter, wie bei vielen anderen Kämpfen wurden die Asiaten bevorzugt behandelt. Der Singapurer war sicher besser aber…… Christian verlor diesen Kampf. Trotz dieses Verlierens musste er zufrieden sein, denn er bekam ein Freilos und musste nicht als Letzter in seiner Gewichtsklasse die Rangliste zieren. Die letzte Hoffnung lag nun bei Marianne Surenmann (amtierende Europameisterin). Sie war die letzte von unserem Team die Antreten musste. Das gleiche Schicksal mit dem Freilos traf auch Sie. Ihre Gegnerin, ebenfalls eine Indonesierin, war eine erfahren Teilnehmerin und hatte alle Hände voll zu tun um Marianne vom Leib zu halten. Die Verletzung bremste unsere Kämpferin in Ihrem Können. Dieses Zusammentreffen ging an die Indonesierin. Ihr Platz auf dem Treppchen war trotzdem gesichert.

Der Donnerstag stand unter dem Stern der Seni’s. Die Genfer-Kollegen waren an diesem Tag gefragt. Der Start an diesem Tag machten die Jurus Tunggal. Ein wunderschönes Zusammenspiel der verschiedenen Bewegungen konnte man Bewundern. Die asiatischen Körper sind wirklich gebaut für solche Bewegungen die fliessend und geschmeidig zu den Zuschauer hinüber kamen. Wir müssen doch noch sehr viel lernen bis wir in der Bewegungs-führung dieses Niveau erreichen können. Unsere Westschweizer Kollegen haben 3 Wochen vor diesem Tournement bei den Singapurer lernen können. Die Fortschritte sind sehr frappant gegenüber der Aufführung in Morschach. Der Abend wurde mit einem kleinen Ausflug in die Touristischen Meilen abgeschlossen.

Freitag ein Tag der Besinnung und der Umgebung von Singapur. Bis jetzt hatten wir nur die nähere Umgebung auskundschaften können. Nun geht es in Begleitung von unserer Betreuerin Reneé auf Erkundungsreise. Unser Ziel war die Insel Santosa und deren Sehenswürdigkeiten. Die Unterwasserwelt, die Beach und die Delphin-Show stehen unter anderem auf dem Programm. An der Beach mussten wir uns natürlich ins erquickende Nass stürzen und ausgiebig den warmen und salzigen Wellen hingeben. Auf dem Rückweg wurden wir noch von einem nicht so schnell endenden Regen überrascht. An diesem Tag hatten wir doch noch ein bisschen Zeit Singapur von einer anderen Seite anzuschauen. Während wir diesen Tag genossen mussten unser PSVS-Präsident und Vice-Präsidentin an einem Meeting des europäischen Verbandes teilnehmen.

Samstag standen weiterhin die Jurus Wajip, Tunggal, Beladiri und die ersten Finalkämpfe auf dem Programm. Die Geschmeidigkeit , Schnelligkeit und die Genauigkeit der asiatischen Teilnehmer konnte die restliche Welt zum Staunen bringen.
Für die verschiedenen Verbandsvorstandsmitglieder war auch dies ein Tag um die gefunden Freunden der verschiedenen Nachbar-Verbände nochmals näher kennen zu lernen.

Am Sonntag das erwartete Highlight. Der absolute Final-Kampftag. In allen Disziplinen stehen die Teilnehmer von Indonesien, Singapur, Malaysia und Vietnam auf dem obersten Treppchen. Vietnam wurde als beste Mannschaft an dieser Weltmeisterschaft gekürt. Die Vietnamesen werden die kommende Silat-Nation werden.
Es folgen nach den letzten Medaillenverteilungen die obligaten Abschiedsszenen mit den verschiedenen Reden und dem Schlussbouqet. Es werden die letzten Fotos geschossen, die letzten Abschiedsversprechungen gemacht und mit Freude die Versprechung an unserem Turnier im 2005 in der Schweiz anwesend zu sein entgegen genommen. Verschiedene Nationen reisen sofort zum Flughafen, wie auch unser Ralph, Dominique und Karin.

An unsere Betreuer, Renée und Hosni möchte ich ganz spezielles Dankeschön aussprechen.

Die WM 2005 hat Ihren Schluss gefunden und es war eine spannende und sehr kurzweilige Zeit. Für die kleine Schweiz war dies, trotz den „hohen Verlusten“, eine Erfolgreiche WM.
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By Bruno Burri