Pencak Silat Verband Schweiz

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Gedanken zur Dan-Prüfung vom 1. Februar 2015

„Bewegung ist Leben“, sagt Haka Tahir

Als ich im November 2004 an meinem ersten Pencak Silat-Training teilnahm, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich am 1. Februar 2015 zu einer Schwarzgurt-Prüfung antreten würde.

Aber nun stehe ich da.

Und unter den strengen Augen von Haka Tahir, Remo Montanari und Markus Fischer und begleitet von den Trommel-Rhythmen von Kurt Hösli steht Heidi Ziernöld, Olivier Humbel (für den 3. Dan) und mir (1. Dan) ein Prüfungstag bevor, an dem  wir unser Gedächtnis ebenso wie unsere Physis testen lassen.

Klar, es wird darum gehen, alle Formen, Grundstellungen und Katas abrufbar zu haben, und sie trotz körperlicher Ermüdung sauber auszuführen. Aber vorderhand wird das Prüfungsprogramm auch zur Zeitreise: Grundstellungen 1-6, Kata 1 stehen zu Beginn des Tages ebenso wie sie zu Beginn im Repertoire des Silat-Trainings waren. Und dann arbeitet man sich langsam vor…

Begonnen mit Pencak Silat habe ich – wie wohl so viele – eher aus Zufall. Ich habe den Kampfsport nicht gesucht, aber er hat mich gefunden. Eher als Stressabbau gedacht, hat mich eine Freundin mal mitgenommen. Und ich bin geblieben. Ich kann heute nicht mehr unbedingt sagen, was mich zu Beginn an den Trainings angezogen hat. Aber es tat mir gut.

2er-Kombinationen in Kampfstellung, Grundstellungen 1-16…

Nach einer ersten Weile, in der man sich noch mit den einfachen Formen abmüht, man Fortschritte macht und wenn die Gürtelfarben immer dunkler werden, dann stellt sich irgendwann ein Gefühl ein, man beherrsche die Sache langsam. Das Gefühl währt aber nie lange. Denn immer wieder kommt etwas Neues dazu. Und stetes Lernen ist Teil des Trainings.

Messerangriffe 1-8, 3er-Kombinationen in Kampfstellung, Kata 4, 5,…

Aber man wird mit der Zeit auch merken, dass Pencak Silat mehr ist als das enzyklopädische Wissen um den nächsten Schritt oder die nächste Handbewegung. Es findet nicht im Lexikon statt – und es mag kein Zufall sein, dass zu Pencak Silat auch in Indonesien und Malaysia wenig schriftlich überliefertes Wissen zu finden ist. Denn die Überlieferung findet über seine Umsetzung statt. Im Kontakt zwischen Lehrer und Schüler (weibliche Form mitgemeint): Durch gelehrte, beobachtete und stetig wiederholte Bewegung, durch das Trainieren der eigenen Körperbeherrschung, und durch das aufmerksame Reagieren auf die Bewegungen des Gegenübers. Und dann wird Pencak Silat zur Kampfkunst, zum Tanz. (Grosses Dankeschön hier auch an Dorothee Schmid, die mir bei den Partner-Formen eine wache Begleiterin war.)

4er-Kombinationen in Kampfstellung, Fusstritte, Dreierkombinationen direkt, Kata 6…

Pencak Silat ist mir über die Jahre zunehmend auch zum mentalen Training geworden, ein Ritual der Körperbeherrschung, das den Geist befrieden kann. Sicher, die Katas und Formen wollen abrufbar sein, sonst steht man wie der Ochse vor dem Berg. Und ja, man muss den Körper so weit haben, dass man mühelos ausdauernd tief stehen und hoch kicken kann. Aber letztlich führt ein Training des Pencak Silat zu einer anderen Geisteshaltung, auch im Alltag. Das ist nicht esoterisch gemeint, sondern ganz praktisch: Das Training kann nach einem gestressten Tag die Laune heben. Das kann ich zuweilen an mir beobachten. Und sicher kann ich es an den altgedienten Herren (Damen gibt es da gerade keine) beobachten, die in meiner Trainingsgruppe mit teilweise über 80 noch Sprünge machen und gute Laune verbreiten, die ich mir in meinen (vergleichsweise) jungen Jahren für die Zukunft nur wünschen kann. Und es ist natürlich bei Haka Tahir zu sehen, der unermüdlich den Takt trommelt und einem beim Trainieren mit wachem Auge zusieht, auch wenn man meint, er sei mit den Gedanken ganz woanders.

Freikampf, Messerkombinationen mit Doppelangriff, Kata 7, 8 und Spezialkata alle 3 Teile, Grundstellungen 1-50…

Letzte Form – geschafft!

Vor über 10 Jahren war ein Schwarzer Gürtel noch undenkbar weit weg. Nun wird mir feierlich einer überreicht. Klar ist, das Lernen geht weiter. Und: Keine Ahnung, wo ich in 10 Jahren stehen werde. Aber ich hoffe, Pencak Silat und die Freunde, die ich dabei gewonnen habe, werden weiter eine Rolle spielen…

Hormat!                 Hier sind Bilder zu sehen, zum besagten Tag.

Uwe Lützen / Februar 2015